Übersicht: Kompositionen...

... vor 1990

Kassensturz (1989) - Musik für eine Schalterhalle

Sparkassen-Performance
Für Klavier vierhändig, Blockflöten, Violoncello, eine Sachbearbeiterin (Tänzerin) und mehrere TelefonistInnen
Uraufführung: 31. Januar 1990 in der Schalterhalle der Bad Vilbeler Volksbank
Choreographie: Astrid Rempel

„Kassensturz“ entstand anlässlich der Verleihung des Kulturpreises einer örtlichen Sparkasse. Das Stück ist nicht in Partiturform notiert, sondern auf einzelnen „Formularbögen“. Eine Tänzerin verteilt diese Bögen an die Musiker und löst bei diesen die untschiedlichsten musikalischen und szenischen Reaktionen aus.

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Flügeltänze (1989)

Tanztheater für Klavierquintett und 1-2 TänzerInnen
Uraufführung: 23. Januar 1990, Musikhochschule Köln
(Studierende der Musikhochschule. Choreographie und Tanz: Sabine Keller und Yoko Suda)

Der Flügel erklingt nur in einem von insgesamt drei Sätzen als Musikinstrument und dient im restlichen Stück als Spiel-, Tanz- und Lustobjekt zweier Tänzerinnen.

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Annäherungsversuche (1988)

Szenische Kammermusik für Violoncello und ein klavierspielendes Kind
Uraufführung: 27. Januar 1989, Alte Oper Frankfurt, Dritte Frankfurter Kurse für Neue Musik.
Erich W. Grabner, Violoncello. Birte Steiner, Klavier

Poetische Duo-Szene für einen professionellen Cellisten und ein Kind. Vorkenntnisse im Klavierspiel werden bei dem Kind nicht zwingend vorausgesetzt. Beide Spieler sollten aber schauspielerisches Talent mitbringen und es empfiehlt sich u.U., einen Regisseur oder eine Regisseurin hinzuzuziehen.

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Sachbearbeitung (1988)

Bürokratische Szene für 10 Darsteller
Uraufführung: 27. Januar 1989, Alte Oper Frankfurt, Dritte Frankfurter Kurse für Neue Musik
(Studierende des Hoch’schen Konservatoriums Frankfurt. Harald „Sack“ Ziegler als Sachbearbeiter)

Meine ersten kompositorischen Gehversuche im Musiktheater: Aus Alltagsgeräuschen und szenischem Spiel mit Requisiten entsteht allmählich Musik.

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Orgelpunkt (1986)

Musik für eine Dorfkirche
Für Zugregisterorgel, Kirchenglocken, Streicher, Flöte, zwei Trompeten, Fußbodenheizung, Dachbodentüren und eine singende und sprechende Gemeinde
Uraufführung: 25. Januar 1987, Evangelische Kirche Dortelweil
(Wetterauer Kammerorchester. Orgel: Bernhard König)

„Orgelpunkt“ entstand für die Kirche meines Heimatdorfes, in der ich von meinem 14. bis zum 20. Lebensjahr als Organist tätig war. Ausgangsmaterial des Stückes sind spezifische klangliche Eigenarten der Orgel und akustische Besonderheiten des Kirchenraumes.

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Kassensturz: Programmtext der Uraufführung

Als ich durch das Preisträgerkonzert der Bad Vilbeler Volksbank vor die reizvolle Aufgabe gestellt war, eine Musik zu schreiben, die zwischen Kassenschaltern, Kreditberatungstischen und Kopiergeräten aufgeführt werden sollte, tauchten bei mir Erinnerungen an meine Zivildienstzeit in einem großen Rehabilitationszentrum auf. Damals bestand eine mir häufig zufallende Aufgabe im sogenannten „Umlauf“: Mit einer Handvoll Zettel mußte ich mich auf den Weg durch das Haus machen und mir anvertraute Unterlagen an die verschiedenen Verwaltungsstellen verteilen. Häufig wußte ich gar nicht, was ich da überhaupt in Umlauf brachte, ob die Zettel einfach in irgend einem Ordner verschwanden oder ob mein Zubringerdienst bei den Adressaten neue Tätigkeiten auslöste.
Manchmal, wenn mir diese Botendienste allzu langweilig und nervtötend wurden, begann ich mir vorzustellen, das alles sei ein einziges großes Musik- oder Theaterstück, eine Art „Büro-Oper“, in der nicht Koloratursoprane und Heldentenöre die Hauptrolle spielen, sondern Telefonistinnen und Sachbearbeiterinnen und in der ich selbst als Zuschauer und Akteur gleichermaßen beteiligt bin.

Kassensturz: Pressestimme

Preisträger Bernhard König (Komposition) steuerte mit seinem Opus „Musik für eine Schalterhalle“ eine eigens für dieses Konzert erarbeitete Uraufführung bei. sein Multimediawerk nimmt die – vermeintlich? – geistestötenden Rituale des Lebens in einer Schalterhalle mit den Mitteln der Musik, der Pantomime und des Lichts ironisch aufs Korn. Motor des Betriebs ist die „Arbeitbringerin“, die den Sachbearbeitern „Vorgänge“ übergibt. Brillant und nachdenklich stimmend zugleich: Wenn die Musik „schön“ zu werden beginnt, wenn sich schöpferische Kreativität entfaltet, wird die „heile“ Welt durch jäh einsetzendes Telefongeklingel und Rattern der Schreibmaschinen und PCs in die Hektik der Realität geführt. Die zahlreichen Gäste fanden es köstlich – ob sich die Bankerinnen und Banker wiedergefunden haben?

Frankfurter Neue Presse, 2.2.1990

 

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Flügeltänze: Programmtext

Mitten in Köln, zwischen Hauptbahnhof und Ebertplatz, liegt an einem Sträßchen mit dem poetischen Namen „Unter Krahnenbäumen“ die Musikhochschule.
Der Besucher dieser Hochschule sieht sich, sobald er vom Haupteingang her das Foyer betritt, einer Ansammlung von Menschen gegenüber, die sich auf einer grün bezogenen Sitzgruppe zu einem ringförmigen, allmählich sich vergrößernden Gebilde – der sogenannten Übeschlange – formieren. Eine volle Stunde lang harrt die Übeschlange geduldig aus, um sich dann plötzlich geschlossen zu erheben und in Richtung Pförtner zu bewegen. All jenen, die dieses Ritual mitvollzogen haben, wird dort ein Schlüssel ausgehändigt, der ihnen nunmehr den Zutritt zu einer „Übezelle“ öffnet, einem winzig kleinen, fensterlosen, mehr oder weniger schallisolierten Raum.
Mit Anbruch der nächsten Stunde darf man seine Zelle betreten, schließt die Türe hinter sich, und endlich ist man allein mit seinem Instrument ...

 

Flügeltänze: Pressestimmen

(...) Ein kleiner Kölnkrimi für Musikstudenten. Im ersten Bild schiebt sich vom Flügelende langsam ein weißer Überzug in Richtung Spielerin, zu den verträumten, Satie-süßen Klängen robbt sich das Laken wie ein alles verschlingender Nebel zur Tastatur – und lässt die Pianistin gleich mit verschwinden. (...) Ein kurzweiliges Werk, das für sein Sujet aus dem Alltag übliches Material verwendet, gar nicht öde oder abgehoben.

(Kölnische Rundschau, 25.1.1990)

Die Pianistin schreitet zum Flügel, spielt ein Stück mit sanften Dissonanzen. Auf ihrem Instrument regt sich was, ein weißes Tuch nimmt „Gestalt“ an, „verschlingt“ die Künstlerin, läßt sie wieder frei. Abgang der Tastendame samt Klavierstuhl. Aus dem Tuch windet sich Dame Nr. 2 (Sabine Keller) mit lasziven Bewegungen. Plötzlich ist sie ein Putzteufel und wienert den blitzblanken Flügel noch blitzblanker. So geschehen bei den „Grenzspielen“ des Kammerorchesters Schloß Werneck, einem Konzert mit Werken von Schülern des Komponisten Mauricio Kagel. Zur Erläuterung des seltsamen Vorgangs gab’s auf dem Programmzettel einen Hinweis auf die „Übezellen“ in der Kölner Musikhochschule, in die sich der Musikstudent nach einem rituellen Vorgang zurückziehen darf. Was dies mit dem geschilderten Werk von Bernhard König zu tun haben soll, bleibt das Geheimnis seines Schöpfers. Irritation, Nonsens, Absurdität? Auf jeden Fall sollte die Frage, ob’s Sinn macht, strikt verboten sein.

(Schweinfurter Tageblatt, 16. März 1991)

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Annäherungsversuche: Pressestimmen

Bernhard Königs (geb. 1967) Versuche eines „Musik-Theaters“ im Kagelschen Sinne zeigten Ansätze zeit- und kunstkritischer Reflexion. Tastend entsteht Musik in seinen Sketchen – schrill inszeniert als Befreiung des Menschen aus automatisierten Zwängen durch Musik („Sachbearbeitung“) oder zart humorvoll in der Begegnung eines Cellisten mit einem klavierspielenden Kind („Annäherungsversuche“) – wenn auch die Botschaft sich noch etwas zu zeigefingerdeutlich aufdrängt.

(Frankfurter Rundschau, 30.1.1989)

 

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Sachbearbeitung: Pressestimme

Bernhard Königs (geb. 1967) Versuche eines „Musik-Theaters“ im Kagelschen Sinne zeigten Ansätze zeit- und kunstkritischer Reflexion. Tastend entsteht Musik in seinen Sketchen – schrill inszeniert als Befreiung des Menschen aus automatisierten Zwängen durch Musik („Sachbearbeitung“) oder zart humorvoll in der Begegnung eines Cellisten mit einem klavierspielenden Kind („Annäherungsversuche“) – wenn auch die Botschaft sich noch etwas zu zeigefingerdeutlich aufdrängt.

(Frankfurter Rundschau, 30.1.1989)

 

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Orgelpunkt: Pressestimme

Mit viel Begeisterung gemurmelt, gewispert und gesummt
Bernhard König, sonntags Organist und werktags Zivildienstleistender, ist für die evangelische Gemeinde Dortelweil ein Glücksfall. Ebenso aber kann man diese Behauptung umkehren: Für Bernhard König ist sein verständnisvoller Pfarrer und die mitziehende Gemeinde ein Glücksfall. Wo wäre es sonst wohl möglich, daß außerhalb der regulären Zeiten das Geläut ertönen darf, weil eben dieses Geläut von einem jungen Komponisten – Bernhard König – zum Bestandteil eines kirchenmusikalischen Werkes gemacht wurde, das hier am vergangenen Sonntag zur Uraufführung gelangte? Und was noch daran bemerkenswert war: Die Gemeinde war zur Mitwirkung aufgerufen und tat dies mit sichtlichem Vergnügen. (...) König bewies weil Phantasie und ein gutes Gespür für allerlei Klangeffekte, deren einer direkt der Orgel abgeschaut war, indem er nämlich für die im Turmtreppenaufgang postierte Trompete die Turmtreppentüre als Jalousie-Schweller betätigen ließ, ein mechanisches Crescendo und Decrescendo also. Die Musik schien von überall herzukommen, eine Kirche voller Musik. Und die Gemeinde machte begeistert mit, sie murmelte, wisperte und summte. Selbst das Geläut durfte in dieser Klangimpression nicht fehlen. Kirchenglocken im Dienste der Musik – wie schön. Der Gemeinde hat es gefallen.

(Frankfurter Rundschau, 29.1.1987)

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